Posts Tagged ‘Horror

19
Mrz
17

Karin Reddemann: Mein Teddy

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Mein Teddy

© Karin Reddemann

Er ist plüschig, alt und sehr zerliebt. Mein Teddy Toldi. Vermutlich ein böser Mörder. Aber das glaubt mir keiner. Soll eh niemand wissen. Ich muss mir jetzt nur überlegen, wer rein theoretisch ansonsten in Frage kommen könnte für Thorsten Hoffmanns Tod. Das bereitet mir Kopfschmerzen. Die Polizei, der unnötige Notarzt (tot ist eben tot) werden mir Fragen stellen. Ich kann schlecht meinen Teddy verhaften lassen. Toldi ist mein bester Freund seit Kindertagen, den verpfeife ich nicht.

Momentan hocke ich auf der Bettkante, trinke hilflos Rotwein, rauche eine, zwei, drei zu viel und starre auf eine durchtrennte Kehle. Alles ist voller Blut, Kissen, Laken, Decke. Es ist verdammt spät, ich sollte längst schlafen. Aber da liegt eine Leiche in meinem Bett. Das ist zurzeit unbenutzbar für mich, da unschön rot durchtränkt. Außerdem will ich diesen kalten Mann nicht an meiner Seite.

Was mache ich jetzt? Was mache ich mit diesem Hoffmann?

Mein kleiner Teddy schlummert im Halbschlaf neben dem nutzlos gewordenen Körper von Hoffmann. Süß, Toldis dunkle Knopfaugen, die weichen Pfötchen, das Mäulchen leicht verschmiert. Tut so, als hätte er nichts angerichtet. Ich weiß aber, dass er derb und frech zugebissen hat. Da kann er mir bei aller Treuherzigkeit nichts vorspielen, da bin ich streng und schimpfe. „So was, mein Freund, macht man nicht!“

Eifersüchtig war er immer schon. Ich fand das stets rührend goldig. Es war putzig, wie er Männer vergraulte, die sowieso nichts für mich gewesen wären. Ich sprach mit Toldi unter vier Augen. Er schüttelte sich, und ich kickte die Kerle charmant, aber konsequent aus meinem Leben.

Toldi liebt mich. Ich ihn auch. Fremden gegenüber kann er merkwürdig werden. Aber bei Hoffmann ist er eindeutig zu weit gegangen.

Hoffman habe ich nach einer ziemlich hohlen lyrischen Lesung in einem Szenelokal in der Innenstadt kennengelernt, nicht weit von meinem Elternhaus entfernt, in dem ich immer noch wohne. Sozusagen seit meiner Geburt, ich schätze meine Wurzeln.

Wir plauderten über blöde Gedichte, Sinn und Unsinn, lachten, tranken, flirteten. Irgendwann ging er mir auf die Nerven. Aber ich war einsam – ein Grund, warum ich mir stümperhafte Poesie angehört hatte -, also lud ich ihn ein. „Gehen wir noch zu mir?“

Nuttig kam ich mir vor. So ein bisschen. Aber auch selbstbewusst. Eine Frau, die ihren Weg geht. Für ihn war es nicht der richtige. Egal. Nun war er da. Hatte blankgeputzte Zähne, roch nach Moschus und trug diesen schönen Kaschmirpullover.

Hoffmann war jetzt nicht so unbedingt mein Typ. Zu gelackt, zu sehr von seinem Kopf, seinem Körper überzeugt. Selbstüberschätzung macht mich übellaunig, die kann ich nicht leiden.

In meinem Wohnzimmer zeigte er mir unaufgefordert Fotos, die er aus seiner prall gefüllten Brieftasche zauberte. Sein Haus. Sein Boot. Sein Pferd. Ich hätte kotzen können. Aber ich heuchelte Interesse. Danach gierte er. Ich sagte: „Wie wunderschön, diese Architektur, und dieses blitzblanke Schiff, also wirklich, und, große Güte, was für ein Gaul.“

Bei „Gaul“ guckte er etwas beleidigt. Ich entschuldigte mich für meinen Patzer und küsste ihn weg. So macht man das. Auch wenn man es gar nicht unbedingt will. Insgeheim wünschte ich mir, dass er verschwindet. Es war nicht mein bester Tag.

Armer Hoffmann. Er blieb stur, kippte italienischen Schnaps und blieb. Sein Fehler. Als wir uns gemeinsam in meinem Bett wühlten und Körperkontakt hatten, der mir nur bedingt gefiel, entdeckte Hoffmann Toldi. Er witzelte: „So ein großes Mädchen. Immer noch ein Schmusebärchen?“ Und dann: „Übrigens, hast du Orgasmusschwierigkeiten?“

Toldi sah mich streng, aber mitfühlend an. Ein echter Freund. Er biss Hoffmann beide Hoden ab und schnitt ihm die Kehle durch.

Ich kann es nicht ändern. Hocke hier mit einem Toten und habe diesen Blutgeschmack im Mund. Muss wohl mit Pfefferminzwasser gurgeln und das Messer entsorgen. Sonst kommt noch jemand auf dumme Gedanken.

***

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05
Jan
10

Nicole Dallinger: Bis in alle Ewigkeit

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Bis in alle Ewigkeit

© Nicole Dallinger

Die düsteren Mythen und Legenden um seinen Heimatort übten bereits in der Zeit, als er noch ein kleiner Junge war, eine große Faszination auf Lukas aus. Vor allem die Geheimnisse um den mysteriösen Füllfederhalter zogen ihn in ihren Bann. Gar manchem soll der Füller Wunscherfüllung, Reichtum und Segen gebracht haben, bevor er ihn ins Verderben stürzte. Diese Geschichten wurden beinahe totgeschwiegen. Nur selten hörte man jemanden davon reden, flüsternd hinter vorgehaltener Hand, oder wenn ein Gläschen zu viel getrunken wurde. Jeder glaubte jemanden zu kennen, der wieder jemanden kannte, der Erlebnisse mit dem rätselhaften Schreibwerkzeug zu erzählen vermochte oder es gar in seinem Besitz hatte.

An besonderen Tagen, wenn Lukas innig darum bat, ließ sein Großvater ihn an den Legenden teilhaben. Stets flüsterte der Großvater und riss während des Erzählens die Augen so weit auf, dass man denken konnte, er habe Angst, wenn das Wort „Füllfederhalter“ über seine Lippen kam. „Das rabenschwarze Schreibwerkzeug mit den geheimnisvollen goldenen Zeichen, die bis heute niemand zu deuten vermag, ist das Werkzeug des Leibhaftigen. Und wer diesem Werkzeug auch nur einmal verfällt, opfert seine Seele dem Teufel.“ Sobald er die Geschichten beendet hatte, fügte er jedes Mal hinzu: „Hüte dich, mein Junge, jemals den Füller zu begehren, hüte dich!“, wobei er Lukas eindringlich, fast drohend in die Augen schaute. Dann pflegte er den Zeigefinger auf seine Lippen zu legen, während er den Blick still zu Boden senkte.

In seinen Kindestagen schrieb Lukas alle Geschichten nieder, die sein Großvater über den Füllfederhalter erzählte. In der alten Dorfbücherei neben der Kirche lieh er Bücher aus, in denen er vereinzelt Hinweise über den Füllhalter fand, die er ebenfalls niederschrieb und aufbewahrte.

Viele Jahre waren seither vergangen und Lukas zählte inzwischen fünfundzwanzig Lenze. Er war zu einem schlaksigen Burschen herangewachsen. Im Dorf ließ er sich nur selten blicken, weshalb er als Eigenbrödler abgestempelt wurde. Sein Gang war mühsam und sein Rücken gekrümmt wie ein alter Stock. Sein Haupt hielt er gesenkt und niemals drehte er es zur Seite. Das fahlblonde, schüttere Haar hing ihm tief in die Stirn, so dass man seine Augen und das eingefallene Gesicht kaum erkennen konnte.

Tief in seinem Herzen trug er einen Wunsch, dessen Erfüllung ihm alles bedeutete. Er hatte sich in die schöne Bäckerstochter Elena verliebt. Sie hatte ein reines Gemüt und sie war ein Abbild göttlicher Vollkommenheit, dessen er sich nicht würdig fand. Noch nie hatte er in ihrer Gegenwart ein Wort über seine Lippen gebracht. Doch begehrte er sie so sehr, dass er alles in seiner Macht stehende tun würde, um ihre Gunst zu erlangen. In seiner Not fielen ihm die Legenden um den mythenumwobenen Füllfederhalter wieder ein. Er musste das Teufelsgerät in seinen Besitz bringen, damit er sich seinen Herzenswunsch erfüllen konnte.

Also machte er sich auf den Weg, um alle Legenden zusammenzusuchen, die er damals als Junge gesammelt hatte. Vielleicht fand er heute einen Zusammenhang, vielleicht konnte er etwas über den Verbleib des Füllers herausfinden. Die alten Schriften mussten noch auf dem Dachboden seines Elternhauses zwischen seinen Schulbüchern liegen. Voller Hoffnung stieg er die wacklige Holzstiege hinauf. Wie viele Jahre mochte es her sein, dass jemand den Dachboden des uralten, halbverfallenen Bauernhauses betreten hatte? Es roch muffig und überall hingen dichte Spinnweben von den Balken. Jeder Schritt hinterließ eine Spur im Staub des Bodens. Er ging auf den Bauernkasten zu, in dem die Schachtel mit seinen Schulsachen aufbewahrt war. Vorsichtig ließ er sich auf den brüchigen Holzsessel neben dem Kasten nieder und öffnete die Schachtel.

Gierig las er in seinen alten Vermerken. Seine Hände zitterten, während er Blatt für Blatt wieder und wieder durchlas. Je genauer er die Geschichten miteinander verglich, umso deutlicher spürte er, dass sein Großvater sie am eigenen Leibe erlebt hatte. Zu vieles aus dessen vergangenem Leben stimmte mit diesen Schriften überein.

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Der Füllfederhalter des Grauens - Gruselgeschichten
Der Füllfederhalter des Grauens
Gruselgeschichten

Der Füllfederhalter eines Toten übermittelt eine unheilvolle Botschaft, für perfide Außerirdische erweist sich gewöhnliche Tinte als pures Gift, der Tod persönlich tauscht seine Sense gegen einen Füller, ein Weltkriegsveteran irgendwo in Russland hat schreckliche Schreibwerkzeuge zu verschenken … Spannende Unterhaltung und subtiler Horror mit Gänsehautgarantie.

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04
Jan
10

M. Gregory Pärm: Wir sind die Toten der Nacht

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Wir sind die Toten der Nacht

© M. Gregory Pärm

Gott wird mich dafür bestrafen, dass ich das brach, was die Spanier „El silencio de los muertos“ nennen. Das Schweigen der Toten. Mit meinem eigenen Blut störte ich ihre Ruhe, und nun bin ich selbst ruhelos und für immer verloren im Reich zwischen Dämmerung und Schatten.

Fiora trug ein rotes Kleid.

Als ich sie zum ersten Mal sah, saß sie am Tresen einer Bar auf der Plaza de la Merced in Málaga und blickte mich über ein Glas Rotwein hinweg an. Heute weiß ich, dass sie mich von Anfang an auserkoren hatte. Sie war schon immer mein blutroter Schatten gewesen, lange bevor ich sie kennenlernte. Heute weiß ich auch, dass alle meine Schatten blutrot sind und mich für immer begleiten werden wie ein eiskalter Feuerhauch.

Auch Fiora wird immer da sein. Am Tag und in schlaflosen Nächten. In schlaflosen Ewigkeiten wird sie mir ihren Geist einhauchen, der über den Wassern schwebt wie der Wind des Meeres, der in Málaga mit seinem salzigen Atem über die Fische streift.

Wir redeten kurz miteinander. Über belanglose Dinge. Ihr Blick sprach zu mir. Ihre schwarzen Augen in dem schneeweißen Gesicht, das aussah, als wäre es vollkommen blutleer. Eingerahmt von ihrem fließenden schwarzen Haar zog sie mich in ihren Bann. Ich wusste vom ersten Moment an, dass ich alles für sie tun würde.

Wir gingen in ein Hotelzimmer. Ihre Haut war weich. Weiß und kühl. Sie schmeckte salzig. Die Nacht war heiß, die Glut des vergangenen Tages lag noch in der Luft, während wir uns liebten. Ihre Fingernägel bohrten sich in mein Fleisch, während ihre Schenkel mich gefangen hielten. Es war, als würden kleine Splitter aus Eis in meine Haut eindringen. Trotzdem war es ein berauschender Liebesakt. Ihre Arme, ihr Haar und ihr Stöhnen umfingen mich wie ein Fischernetz. Ich fühlte mich gleichermaßen verloren und geborgen. Ihre heißfeuchte Weiblichkeit hielt mich umklammert. Ihre Venuslippen zogen mich in ihren Körper, ergriffen von mir Besitz und schienen mich verschlingen zu wollen. Ich verlor mich in meiner Leidenschaft, und erst viel später – zu spät – erkannte ich, dass sie nicht atmete, als sie kam.

Wir tränkten die Laken mit unserer lustvollen Gier. Dann versetzte Fiora mich in einen rauschhaften Schlaf. Mir schwanden die Sinne, während ich noch spürte, wie sie mir einige Worte zuhauchte.

Heute erzittere ich, wenn ich an ihre eiskalte Stimme denke und an das, was sie zu mir sagte.

 

Als ich erwachte, war sie weg. Ich war nackt und fühlte mich erschöpft. Ich hatte nur wenig Schlaf gefunden. Draußen wurde es gerade Morgen. Die Sonne stand über dem Horizont und legte die Bucht vor dem Hotel in ein Zwielicht aus Nacht und Tag, das nichts von dem freundlichen Licht des Südens an sich hatte. Die Luft war kühl, es wehte ein leichter Wind. Ich trat auf den Balkon und atmete durch. Der Atem brachte mir keine Erfrischung. Ich kehrte ins Zimmer zurück, um mir starken schwarzen Kaffee zu bestellen.

Fiora hatte mir eine Nachricht hinterlassen: Mi sangre es dentro de ti. – Mein Blut ist in dir.

Darunter stand eine Adresse in Málaga. Und ein Name: Arturo.

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Der Füllfederhalter des Grauens
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03
Jan
10

Carmen Rodrigues: Der Seelenfänger

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Der Seelenfänger

© Carmen Rodrigues

„Tu es!“, hatte es geflüstert. Ganz leise und doch, als befände es sich direkt neben seinem Ohr. „Du weißt, es muss sein. Ich brauche das Leben und ich brauche dich, es mir zu bringen.“ Fordernd erhob sich in seinem Kopf das alljährliche Szenario, welches er so sehr fürchtete. „Geh nun und erfülle deinen Teil der Abmachung. Du weißt, was du verlierst, wenn du versagst!“

Thomas von Lahnstein weinte lautlos ob des Schreckens, der vor ihm lag. Schweigend packte er seine kleine lederne Tasche. Als er nach draußen trat, ließ er den liebevollen und gutmütigen Thomas von Lahnstein zurück und schlüpfte in die Rolle, die seine gemarterte Seele ihm zugedacht hatte für diese einsamen Nächte voller unsagbarem Grauen.

In der eiskalten Dezemberluft lag sie vor ihm: Elisabetha. Wunderschöne, zarte Elisabetha! Ihre bloßen Brüste stachen spitz nach oben in die klirrende Kälte. Ihr schwarzes Haar bedeckte das obere Ende des Holztisches wie eine seidene Tischdecke. Ihr Gesicht war blass, ihre dunklen Augen sahen ihn ausdruckslos an, die vollen roten Lippen waren fest verschlossen. Ihre Haut schimmerte im fahlen Mondlicht wie Perlmutt und nur der Schatten seiner massigen Statur bedeckte ihre entblößte Scham. Ihre schlanken Beine hatte er leicht gespreizt, sodass er besser arbeiten konnte.

Präzise traf er den kleinen Punkt unterhalb ihres Bauchnabels und stach sein Skalpell tief in ihren Körper. Dies war sie, die Stelle, an der die weibliche Seele saß, ihre Liebe glühte und ihre heimliche, fraulich sanfte Macht sich entfaltete. Hier verschmolz die Leidenschaft des Seins zu neuem Leben, hier wurden die tiefsten Sehnsüchte und Wünsche einer Frau versteckt. Genau hier musste er schneiden, er musste all diese Lust und all dieses lebendige Gefühl einfangen, so musste es sein! Dunkles Blut quoll hervor und seine Hand schien in einem purpurnen Strom zu schwimmen, als er den Schnitt ausführte. Sauber und gerade trennte er die Bauchdecke in zwei Teile und hielt kurz unterhalb des Brustansatzes inne.

Die Frauen des kleinen Dorfes kannten den jungen Arzt schon lange und hatten großes Vertrauen zu ihm. Oft schon hatten sie ihn hinter vorgehaltener Hand und mit erröteten Wangen um Hilfe gegen ihre monatlichen Frauenleiden gebeten. Verschämt, aber dankbar hatten sie das Gebräu aus Frauenmantel, Baldrian und Lavendeltropfen entgegengenommen, erleichterte es ihnen doch ihre harte Arbeit auf den Feldern sehr.

Heute, so wie an jedem verfluchten Dezembertag in den Jahren zuvor hatte Thomas dem Heiltrank ein wenig Alraune und schwarzes Bilsenkraut beigemengt. Voller Vertrauen und Hoffnung auf Linderung hatte Elisabetha die Mixtur in einem Zuge getrunken. So konnte sie jetzt nicht das Geringste spüren von dem, was er tat. Keine Regung ihres schlanken Körpers, nicht einmal ein leises Zittern. Nur das stumme, ungläubige Entsetzen in ihren Augen zeugte davon, dass ihr Geist sehr wohl mitbekam, was vor sich ging. Ihr Blick schien um Gnade zu flehen. Ihre lautlose Bitte um Erlösung bohrte sich tief in seine Seele und schien ihn zwingen zu wollen, ihr endlich Frieden zu schenken. Aber es war noch nicht vorbei. Sterben durfte sie erst, wenn er sein Werk vollendet hatte, denn er brauchte ihr Blut frisch und unverdorben, das Leben musste noch darin pulsieren!

Regungslos betrachtete er die klaffende Wunde, aus der weißer Dampf emporstieg als stummer Zeuge dieser Nacht. Der tiefe Schnitt hatte sich bereits bis an den Rand gefüllt mit ihrem Blut, das im fahlen Mondlicht glänzte wie tiefschwarzes Verderben.

„Ein Jammer, dass es nur die Schönsten unter ihnen trifft!“, dachte er missmutig.

Mit einer Pipette sog er das warme Blut auf und füllte es mit ruhiger Hand in kleine, kristallene Phiolen. Langsam reihten sich die Gefäße aneinander und Elisabetha sog die letzten Atemzüge der klaren Winterluft in ihre gepeinigten Lungen.

Stunden später saß Thomas wie ein kleiner Junge zusammengekauert in der alten Mühle, die er von seinem Vater geerbt hatte. Vor vielen Jahren hatten seine Urahnen die Mühle erbaut und das Müllerhandwerk über Generationen weitergegeben. Sein Vater war der Erste, der nicht den Beruf des Müllers ergriffen hatte. Gegen den Willen seiner Eltern war er Arzt geworden und es hatte lange gedauert, bis diese ihm verziehen hatten. Aus Pflichtgefühl hatte er nach deren Tod die alte Mühle übernommen und Jahre später Thomas das Versprechen abgerungen, dieselbe Pflicht zu erfüllen. Thomas wahrte das Erbe seiner Vorfahren, aber zuhause fühlen würde er sich hier niemals.

Mitten im Raum auf dem alten schweren Tisch standen die Phiolen säuberlich nebeneinander gereiht, sieben Phiolen gefüllt mit hellrotem Blut.

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29
Dez
09

Thomas Sedlmeyr: Le stylo de la mort

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Le stylo de la mort

© Thomas Sedlmeyr

Es ist der 1. September 1870. Um Sedan kommt es zu schweren Kämpfen zwischen der französischen Armee unter Führung des Kaisers Napoleon III. und den deutschen Heeresverbänden unter dem Oberbefehl Graf Moltkes.

Leutnant Lefort inspizierte die linke Flanke. Die Lage war schlimmer, als er gedacht hatte: Eine Mörserbatterie des Feindes hackte Loch um Loch in die Reihen der Infanterie. Lefort vermochte zu spüren, wie das Entsetzen dort mit jeder neuen Lücke wuchs. Wenn der Feind diese mörderische Feuerrate aufrecht erhielt, würde die Moral binnen kürzester Zeit brechen. Nur ein Kavallerieangriff konnte das feindliche Feuer eindämmen und die Männer im letzten Augenblick dem Klammergriff des Todes entreißen. Er musste dem General unverzüglich Bericht erstatten! Entschlossen riss er den Zügel herum. Sein treues Ross wieherte auf, Schaum troff aus seinem Maul. Zur Rechten explodierte eine Granate. Erdreich wurde in die Luft geschleudert und prasselte auf Ross und Reiter herab. Lefort fluchte laut. Einige Soldaten rannten mit aufgepflanztem Bajonett an ihm vorbei, es waren die Seinigen, trotz des dichten, beißenden Pulverdampfs erkannte er die Uniformen. Eine Salve ertönte, Schmerzensschreie, dann erneut das Donnern der Batterie. Er konnte nun fast nichts mehr sehen. Verzweifelt versuchte er die Schwaden zu durchdringen, schrie die Parole in den stinkenden Nebel. Verdammt, er musste den Kommandostand erreichen! Die linke Flanke, wie lange würde sie sich halten können? Wie lange hielt der Mut eines Mannes, dessen Kameraden neben ihm einer nach dem anderen in Stücke gerissen wurden?

Er musste sich ungefähr in der Mitte der Schlachtreihe befinden. Die Mündungen der Eisenrohre spuckten ihre tödliche Ladung im Sekundentakt und das Knattern der Gewehrsalven wurde nur unterbrochen von den mächtigeren, dumpfen Explosionen der Kanonen. Endlich glaubte er den Hügel zu erkennen, als ihn ein Schlag fast aus dem Sattel hob. Die Kugel durchschlug seinen Hüftknochen, zerfetzte die Eingeweide. Schmerz setzte seinen Unterleib in Brand. In feurigen Wellen stieg er empor und presste ihm den Schweiß aus allen Poren. Lefort keuchte, seine Augen traten weit hervor. Dann sackte der schwere Körper des Leutnants im Sattel zusammen. Das Pferd schien ebenfalls getroffen. Es machte einen weiten Satz nach vorne und galoppierte blind drauflos. Mit letzter Kraft suchte der junge Soldat sich zu halten. Sein Stiefel tastete vergebens nach der Sattelschlaufe, seine Hand fuhr über den Kopf des Tieres, über nasse Haut und gespannte Sehnen, krallte sich in die Mähne. Er roch das Fell des Pferdes, spürte seine Wärme und seinen Pulsschlag.

Nach einer Weile wurde das Pferd langsamer und blieb schließlich ganz stehen. Müde hob Lefort den Kopf. Sie befanden sich an einer abgelegenen Stelle des Schlachtfeldes. Der Pulverdampf war hier weniger dicht, hing in kleinen Wolken über zerstapftem Gras und brennenden Büschen. Gierig sog der Leutnant die frische Luft in seine Lungen und versuchte sich aufzurichten. Ein stechender Schmerz warf ihn zurück. In hilfloser Wut über seinen zerschundenen Körper wollte er aufschreien, doch etwas hielt ihn zurück. Er war nicht alleine …

Nur wenige Meter vor ihm, umgeben von wogenden Schwaden, saß eine Gestalt an einem kleinen hölzernen Pult. Sie trug eine schwarze Mönchskutte, das Gesicht war unter einer schweren Kapuze verborgen. Gebeugt über einen Stapel Pergament kritzelte das Männlein vor sich hin.

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