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05
Jan
10

Nicole Dallinger: Bis in alle Ewigkeit

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Bis in alle Ewigkeit

© Nicole Dallinger

Die düsteren Mythen und Legenden um seinen Heimatort übten bereits in der Zeit, als er noch ein kleiner Junge war, eine große Faszination auf Lukas aus. Vor allem die Geheimnisse um den mysteriösen Füllfederhalter zogen ihn in ihren Bann. Gar manchem soll der Füller Wunscherfüllung, Reichtum und Segen gebracht haben, bevor er ihn ins Verderben stürzte. Diese Geschichten wurden beinahe totgeschwiegen. Nur selten hörte man jemanden davon reden, flüsternd hinter vorgehaltener Hand, oder wenn ein Gläschen zu viel getrunken wurde. Jeder glaubte jemanden zu kennen, der wieder jemanden kannte, der Erlebnisse mit dem rätselhaften Schreibwerkzeug zu erzählen vermochte oder es gar in seinem Besitz hatte.

An besonderen Tagen, wenn Lukas innig darum bat, ließ sein Großvater ihn an den Legenden teilhaben. Stets flüsterte der Großvater und riss während des Erzählens die Augen so weit auf, dass man denken konnte, er habe Angst, wenn das Wort „Füllfederhalter“ über seine Lippen kam. „Das rabenschwarze Schreibwerkzeug mit den geheimnisvollen goldenen Zeichen, die bis heute niemand zu deuten vermag, ist das Werkzeug des Leibhaftigen. Und wer diesem Werkzeug auch nur einmal verfällt, opfert seine Seele dem Teufel.“ Sobald er die Geschichten beendet hatte, fügte er jedes Mal hinzu: „Hüte dich, mein Junge, jemals den Füller zu begehren, hüte dich!“, wobei er Lukas eindringlich, fast drohend in die Augen schaute. Dann pflegte er den Zeigefinger auf seine Lippen zu legen, während er den Blick still zu Boden senkte.

In seinen Kindestagen schrieb Lukas alle Geschichten nieder, die sein Großvater über den Füllfederhalter erzählte. In der alten Dorfbücherei neben der Kirche lieh er Bücher aus, in denen er vereinzelt Hinweise über den Füllhalter fand, die er ebenfalls niederschrieb und aufbewahrte.

Viele Jahre waren seither vergangen und Lukas zählte inzwischen fünfundzwanzig Lenze. Er war zu einem schlaksigen Burschen herangewachsen. Im Dorf ließ er sich nur selten blicken, weshalb er als Eigenbrödler abgestempelt wurde. Sein Gang war mühsam und sein Rücken gekrümmt wie ein alter Stock. Sein Haupt hielt er gesenkt und niemals drehte er es zur Seite. Das fahlblonde, schüttere Haar hing ihm tief in die Stirn, so dass man seine Augen und das eingefallene Gesicht kaum erkennen konnte.

Tief in seinem Herzen trug er einen Wunsch, dessen Erfüllung ihm alles bedeutete. Er hatte sich in die schöne Bäckerstochter Elena verliebt. Sie hatte ein reines Gemüt und sie war ein Abbild göttlicher Vollkommenheit, dessen er sich nicht würdig fand. Noch nie hatte er in ihrer Gegenwart ein Wort über seine Lippen gebracht. Doch begehrte er sie so sehr, dass er alles in seiner Macht stehende tun würde, um ihre Gunst zu erlangen. In seiner Not fielen ihm die Legenden um den mythenumwobenen Füllfederhalter wieder ein. Er musste das Teufelsgerät in seinen Besitz bringen, damit er sich seinen Herzenswunsch erfüllen konnte.

Also machte er sich auf den Weg, um alle Legenden zusammenzusuchen, die er damals als Junge gesammelt hatte. Vielleicht fand er heute einen Zusammenhang, vielleicht konnte er etwas über den Verbleib des Füllers herausfinden. Die alten Schriften mussten noch auf dem Dachboden seines Elternhauses zwischen seinen Schulbüchern liegen. Voller Hoffnung stieg er die wacklige Holzstiege hinauf. Wie viele Jahre mochte es her sein, dass jemand den Dachboden des uralten, halbverfallenen Bauernhauses betreten hatte? Es roch muffig und überall hingen dichte Spinnweben von den Balken. Jeder Schritt hinterließ eine Spur im Staub des Bodens. Er ging auf den Bauernkasten zu, in dem die Schachtel mit seinen Schulsachen aufbewahrt war. Vorsichtig ließ er sich auf den brüchigen Holzsessel neben dem Kasten nieder und öffnete die Schachtel.

Gierig las er in seinen alten Vermerken. Seine Hände zitterten, während er Blatt für Blatt wieder und wieder durchlas. Je genauer er die Geschichten miteinander verglich, umso deutlicher spürte er, dass sein Großvater sie am eigenen Leibe erlebt hatte. Zu vieles aus dessen vergangenem Leben stimmte mit diesen Schriften überein.

Wie diese spannende Geschichte weitergeht, erfährst Du in dem Buch
Der Füllfederhalter des Grauens - Gruselgeschichten
Der Füllfederhalter des Grauens
Gruselgeschichten

Der Füllfederhalter eines Toten übermittelt eine unheilvolle Botschaft, für perfide Außerirdische erweist sich gewöhnliche Tinte als pures Gift, der Tod persönlich tauscht seine Sense gegen einen Füller, ein Weltkriegsveteran irgendwo in Russland hat schreckliche Schreibwerkzeuge zu verschenken … Spannende Unterhaltung und subtiler Horror mit Gänsehautgarantie.

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