Posts Tagged ‘Füller

30
Jan
10

Thomas Sedlmeyr: Penna mortis

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Penna Mortis

© Thomas Sedlmeyr

Am Anfang hielt ich das Ganze für einen schlechten Scherz. Bestenfalls für eine Metapher. Ich führte dieses Interview, und alles lief wie immer. Erst als ich gehen wollte, packte mich der Typ plötzlich am Arm. Er erzählte mir irgendeinen Voodoo-Schwachsinn, und dann schenkte er mir diesen Füllfederhalter. Einen Original Montblanc Meisterstück Kolbenfüllhalter. In edlem schwarzem Design, mit 24 Karat Goldfeder. Ein schönes Schreibgerät, das ich bereitwillig annahm. Auch wenn es angeblich die Seelen von zweihundert Menschen in sich trug.
Das Interview hatte ich einige Tage vor Weihnachten gehalten.
Seitdem war einiges geschehen. Einige Tage nach Weihnachten war ich mit meinen Nerven am Ende. Ich verließ das Haus nicht mehr, ich aß nicht mehr und trank nur noch Whiskey. Mein gesamter Tagesablauf drehte sich nur noch um den Füllfederhalter. Er lag vor mir auf dem Schreibtisch, aus Sicherheitsgründen hatte ich ihn auf eine Bibel gebettet, die kleine Schreibtischlampe warf ihr spärliches Licht auf ihn und ließ seine schwarze Hülle matt erstrahlen. Ich saß vor ihm, den Kopf auf die Tischplatte gebettet starrte ich ihn an, Stunde um Stunde. Von Zeit zu Zeit sprang ich auf und lief einige Runden durch das Zimmer. Dabei debattierte ich lautstark mit mir selbst. Ich weiß nicht mehr genau, ab wann ich anfing die grünen Schleier zu sehen. Sie umtanzten das Objekt und erweckten es auf gruslige Art zum Leben. Jedes Mal wenn mich der Schlaf übermannte, so schrak ich nach wenigen Minuten empor: Ich hatte das Gefühl, der Federhalter hätte sich tief in mein Herz gebohrt. Gestern Mittag konnte ich nicht mehr, und ich beschloss mich einem guten Freund anzuvertrauen.
Rob kam sofort. Wir hatten uns zuletzt an Weihnachten gesehen, und nachdem ich drei Tage nicht in unserer Stammkneipe aufgetaucht war, hatte er bereits angefangen sich Sorgen zu machen. Letztlich war er davon ausgegangen ich sei krank, verliebt oder plötzlich verreist. Mein Anblick tat wenig dazu ihn zu beruhigen.
„Mann, du siehst ja absolut beschissen aus!“ Seine Begrüßung traf ins Schwarze. Ich war unrasiert, übernächtigt und stank. Es würde nicht 9 einfach werden. Folglich galt es keine Zeit zu verschwenden. „Rob. Rob, gut dass du hier bist. Dieser Füllfederhalter dort … er tötet Menschen!“ Robs Kinnlade hätte nicht tiefer fallen können. Ich sah seine Mundwinkel zucken: ein sicheres Zeichen dafür, dass er nicht wusste ob er mich verprügeln oder lachen sollte. Verzweifelt rang ich um Worte, es kam mir so vor als hätte ich Tinte im Mund, als würde der Füllfederhalter mir die Silben von den Lippen saugen. Ich schluckte schwer, doch der bittere Geschmack blieb. „Rob, ich kann mit diesem Federhalter töten. Ich muss nur den Namen eines Menschen damit niederschreiben, dann stirbt dieser!“
Jetzt grinste Rob. „Ach so. Verstehe. Der Teufel wollte einen Pakt mit dir schließen, du hast unterschrieben, und er hat seinen Kugelschreiber bei dir vergessen. Und seitdem hast du ein schlechtes Gewissen.“
Ich stutzte. Eine durchaus plausible Erklärung. Leider schien Rob sie nicht so zu meinen.
„Es ist mir absolut ernst, Rob. Und es ist ein Füllfederhalter. Ein Füllfederhalter, kein Kugelschreiber.“
Noch ging er davon aus ich wolle ihn veräppeln. Nun ja, er würde bald erkennen, dass dem nicht so war. Der Scherzkeks von uns beiden war immer er gewesen.
„Wie willst du mit einer Feder töten? Die hat Cäsar schon wenig genutzt. Und die moderne Variante des Füllfederhalters ist nicht einmal mehr dazu geeignet, sich nach einem Festmahl die Kehle zu kitzeln und auszukotzen. Mit der Patrone kann man allenfalls Tintenkleckse verursachen. Außer … na klar!“
Ich blickte ihn hoffnungsvoll an.
„Außer du hast so einen beschissenen James Bond Kugelschreiber. Peng, peng!“
Ich sah, wie die grünen Schleier um den Federhalter sich verdichteten. Er schien Robs Humor nicht besonders zu mögen.
„Aber wenn ich es dir doch sage, Rob! Mann, es ist echt kein Scheiß! Ich setz den Namen einer Person auf ein Stück Papier, stell mir das Gesicht dazu vor und …“
„Und die Person fällt tot von ihrem Hocker. Klar. Dein Stift kann töten. Schreibst du jetzt für die Bild, oder was?“ Langsam wurde er gereizt. „Zeig es mir.“
„Wie soll ich es dir denn zeigen, verflucht?!“
„Setz meinen Namen auf das Papier!“
„Einen Teufel wird ich tun! Du bist mein Freund, Rob. Außerdem bringt dir deine Erkenntnis herzlich wenig, wenn du tot bist.“
Verdammt, wie sollte ich Rob beweisen dass ich recht hatte? Nein, das konnte ich nicht tun. Andererseits … Ich hatte ja doch keine Wahl. Rob musste die Wahrheit erfahren. Ich konnte das Geheimnis nicht alleine tragen, nicht ohne den Verstand zu verlieren, und Rob war der einzige, dem ich vertrauen konnte.
Mit diesem Federhalter konnte man sein eigenes Todesurteil unterschreiben und gleichzeitig vollstrecken. Man konnte auch jeden beliebigen anderen Namen aufs Papier setzen. Dies barg natürlich ein moralisches Problem. Allerdings veränderte sich das moralische Empfinden etwas, wenn man gerade seine ganze Familie durch einen Stapel Weihnachtskarten ausgelöscht hatte. Man… man begann die Dinge in einem größeren Zusammenhang zu sehen.
„Lass uns Michel anrufen!“
„Warum willst du Michel anrufen?“
An sich eine berechtigte Frage. Keiner von uns beiden mochte Michel besonders. Wir hatten ihn vor einigen Tagen in einer Bar kennen gelernt, und seitdem ging er uns mit seinen SMS auf die Nerven. Rob zuckte mit den Schultern. „OK, ich ruf ihn dann mal an.“
Es dauerte nur wenige Minuten, dann stand Michel vor der Tür. Angeblich hatte er beruflich in der Gegend zu tun. Für Rob und mich war klar, dass er wieder einmal auf uns gelauert hatte. Seine einzige Beschäftigung schien es zu sein Freunde zu suchen und sie dadurch gleichzeitig zu vergraulen.
Wahrscheinlich sollte ich den Füllfederhalter wie diesen einen Ring ins Feuer werfen. Er war gefährlich. Andererseits … wie viel Gutes man damit bewirken konnte! All die Menschen, die sich auf Kosten anderer und der Umwelt bereicherten. Die tausendfaches Leid und Elend verursachten. Ein Name, ein Gedanke, ein Federstrich … Dieser Füllfederhalter könnte ein flammendes Schwert der Gerechtigkeit werden!
Ich ließ mich nieder und zog einen Bogen weißes Papier hervor. Dann nahm ich den Füllfederhalter und fuhr mir mit der Zunge über die Lippen. Ich konnte Michel nicht in die Augen sehen. „Es tut mir leid, wirklich.“ Mein Flüstern vermischte sich mit dem Kratzen der Feder. Der Federhalter pulsierte warm in meiner Hand. Michel Weimann. Es war vollbracht. Schwer atmend legte ich den Füllfederhalter nieder und blickte auf. Der Faustschlag kam unerwartet und tat sehr weh. Ungläubig rieb ich mir das schmerzende Auge.
Rob packte den verdutzten Michel am Arm und zog ihn aus der Tür. „Komm, lass uns gehen. Ich brauch ein Bier.“
An der Schwelle blieb er noch einmal stehen. „Du hast echt ein Problem. Ein großes Problem.“ Damit hatte er zweifellos recht.
Als Rob weg war setzte ich mich an den Tisch und überlegte. Wieso hatte der Federhalter bei Michel nicht funktioniert? Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Sicher! Es konnte nur daran liegen, dass Michel nicht Michel war. Und wenn Michel nicht Michel war, sondern sich nur Michel nannte, dann war er einer von ihnen. Ein gemeiner Spitzel …
In diesem Moment klingelte es auch schon an der Tür. Sie kamen mich zu holen.
Eine zu enge Jacke und Wände aus Gummi. Ich erwachte wie aus einem Traum. Die Zeitung, die sie mir an diesen Morgen unter der Zellentür hindurchschoben, war die letzte meines Lebens. Die Schlagzeile: „Blutige Weihnacht: Wahnsinniger Journalist tötet Familie.“ Daneben waren über Nacht eine ganze Reihe unbequemer Häupter von nichtstaatlichen Organisationen und ausländischen Staaten verstorben. Mein Lachen erschien mir selbst etwas unheimlich.

***

Eine weitere Füllfederhalter-Gruselgeschichte von Thomas Sedlmayr gibt es in dem Buch
Der Füllfederhalter des Grauens - Gruselgeschichten
Der Füllfederhalter des Grauens
Gruselgeschichten

Der Füllfederhalter eines Toten übermittelt eine unheilvolle Botschaft, für perfide Außerirdische erweist sich gewöhnliche Tinte als pures Gift, der Tod persönlich tauscht seine Sense gegen einen Füller, ein Weltkriegsveteran irgendwo in Russland hat schreckliche Schreibwerkzeuge zu verschenken … Spannende Unterhaltung und subtiler Horror mit Gänsehautgarantie.

Hervorragend geeignet zum Vorlesen auf einer Halloween-Party.

***

Advertisements
05
Jan
10

Nicole Dallinger: Bis in alle Ewigkeit

Gruselgeschichte – Grusel – Spannung – Gänsehaut

Bis in alle Ewigkeit

© Nicole Dallinger

Die düsteren Mythen und Legenden um seinen Heimatort übten bereits in der Zeit, als er noch ein kleiner Junge war, eine große Faszination auf Lukas aus. Vor allem die Geheimnisse um den mysteriösen Füllfederhalter zogen ihn in ihren Bann. Gar manchem soll der Füller Wunscherfüllung, Reichtum und Segen gebracht haben, bevor er ihn ins Verderben stürzte. Diese Geschichten wurden beinahe totgeschwiegen. Nur selten hörte man jemanden davon reden, flüsternd hinter vorgehaltener Hand, oder wenn ein Gläschen zu viel getrunken wurde. Jeder glaubte jemanden zu kennen, der wieder jemanden kannte, der Erlebnisse mit dem rätselhaften Schreibwerkzeug zu erzählen vermochte oder es gar in seinem Besitz hatte.

An besonderen Tagen, wenn Lukas innig darum bat, ließ sein Großvater ihn an den Legenden teilhaben. Stets flüsterte der Großvater und riss während des Erzählens die Augen so weit auf, dass man denken konnte, er habe Angst, wenn das Wort „Füllfederhalter“ über seine Lippen kam. „Das rabenschwarze Schreibwerkzeug mit den geheimnisvollen goldenen Zeichen, die bis heute niemand zu deuten vermag, ist das Werkzeug des Leibhaftigen. Und wer diesem Werkzeug auch nur einmal verfällt, opfert seine Seele dem Teufel.“ Sobald er die Geschichten beendet hatte, fügte er jedes Mal hinzu: „Hüte dich, mein Junge, jemals den Füller zu begehren, hüte dich!“, wobei er Lukas eindringlich, fast drohend in die Augen schaute. Dann pflegte er den Zeigefinger auf seine Lippen zu legen, während er den Blick still zu Boden senkte.

In seinen Kindestagen schrieb Lukas alle Geschichten nieder, die sein Großvater über den Füllfederhalter erzählte. In der alten Dorfbücherei neben der Kirche lieh er Bücher aus, in denen er vereinzelt Hinweise über den Füllhalter fand, die er ebenfalls niederschrieb und aufbewahrte.

Viele Jahre waren seither vergangen und Lukas zählte inzwischen fünfundzwanzig Lenze. Er war zu einem schlaksigen Burschen herangewachsen. Im Dorf ließ er sich nur selten blicken, weshalb er als Eigenbrödler abgestempelt wurde. Sein Gang war mühsam und sein Rücken gekrümmt wie ein alter Stock. Sein Haupt hielt er gesenkt und niemals drehte er es zur Seite. Das fahlblonde, schüttere Haar hing ihm tief in die Stirn, so dass man seine Augen und das eingefallene Gesicht kaum erkennen konnte.

Tief in seinem Herzen trug er einen Wunsch, dessen Erfüllung ihm alles bedeutete. Er hatte sich in die schöne Bäckerstochter Elena verliebt. Sie hatte ein reines Gemüt und sie war ein Abbild göttlicher Vollkommenheit, dessen er sich nicht würdig fand. Noch nie hatte er in ihrer Gegenwart ein Wort über seine Lippen gebracht. Doch begehrte er sie so sehr, dass er alles in seiner Macht stehende tun würde, um ihre Gunst zu erlangen. In seiner Not fielen ihm die Legenden um den mythenumwobenen Füllfederhalter wieder ein. Er musste das Teufelsgerät in seinen Besitz bringen, damit er sich seinen Herzenswunsch erfüllen konnte.

Also machte er sich auf den Weg, um alle Legenden zusammenzusuchen, die er damals als Junge gesammelt hatte. Vielleicht fand er heute einen Zusammenhang, vielleicht konnte er etwas über den Verbleib des Füllers herausfinden. Die alten Schriften mussten noch auf dem Dachboden seines Elternhauses zwischen seinen Schulbüchern liegen. Voller Hoffnung stieg er die wacklige Holzstiege hinauf. Wie viele Jahre mochte es her sein, dass jemand den Dachboden des uralten, halbverfallenen Bauernhauses betreten hatte? Es roch muffig und überall hingen dichte Spinnweben von den Balken. Jeder Schritt hinterließ eine Spur im Staub des Bodens. Er ging auf den Bauernkasten zu, in dem die Schachtel mit seinen Schulsachen aufbewahrt war. Vorsichtig ließ er sich auf den brüchigen Holzsessel neben dem Kasten nieder und öffnete die Schachtel.

Gierig las er in seinen alten Vermerken. Seine Hände zitterten, während er Blatt für Blatt wieder und wieder durchlas. Je genauer er die Geschichten miteinander verglich, umso deutlicher spürte er, dass sein Großvater sie am eigenen Leibe erlebt hatte. Zu vieles aus dessen vergangenem Leben stimmte mit diesen Schriften überein.

Wie diese spannende Geschichte weitergeht, erfährst Du in dem Buch
Der Füllfederhalter des Grauens - Gruselgeschichten
Der Füllfederhalter des Grauens
Gruselgeschichten

Der Füllfederhalter eines Toten übermittelt eine unheilvolle Botschaft, für perfide Außerirdische erweist sich gewöhnliche Tinte als pures Gift, der Tod persönlich tauscht seine Sense gegen einen Füller, ein Weltkriegsveteran irgendwo in Russland hat schreckliche Schreibwerkzeuge zu verschenken … Spannende Unterhaltung und subtiler Horror mit Gänsehautgarantie.

*




Grusel-eBook

Karin Reddemann: Toter Besuch
Karin Reddemann
Toter Besuch
Gruselgeschichten
eBook Amazon Kindle Edition
.

Buchtipp

Gruselgeschichten
Der Füllfederhalter des Grauens
Gruselgeschichten

eBook-Tipp

Ronald Henss: Doppelgänger
Ronald Henss
Doppelgänger
Kindle Edition
ASIN B004SREPQG

Kurzkrimi um zwei Schriftsteller, Doppelgänger und eine geheimnisvolle Domina ...

Statistik

  • 103.565 Aufrufe

Buchtipp

Gottes kalte Gabe
Karin Reddemann
Gottes kalte Gabe

Bilderbuch-Blog: Bilderbuch

Windfarben Video Youtube

Windfarben Video Youtube

Windfaben – Video Youtube Hier gibt es ein Youtube-Video mit Farben, die ich gemeinsam mit dem Wind gemalt habe, musikalisch untermalt von Audionautix Green Leaves. Ich wünsche viel Freude beim Anschauen und Zuhören. *** Stichwörter: Fotos, Bilder, Video, Youtube, Musik, Farben, Wind, Windfarben, Wind Colors

Der moderne Mensch

Der moderne Mensch

Der moderne Mensch Gesichtsverlust – Das Ende der Individualität Ich gehe nur noch selten in die City, weil ich mir das immer unangenehmer werdende Publikum nicht zumuten möchte. Weil ich aber ein paar Schuhe brauchte, blieb mir in dieser Woche der Weg in die City nicht erspart. Das Bemerkenswerteste an dieser Unternehmung waren die Schaufenster, […]

Blick vom Schwarzenbergturm auf und über die Universität Saarbrücken

Blick vom Schwarzenbergturm auf und über die Universität Saarbrücken

Blicke vom Schwarzenbergturm auf die Universtität Saarbrücken Das Wintersemester 2018/19 hat begonnen. Beste Zeit, mal wieder zu zeigen, wie wunderschön die Universität Saarbrücken gelegen ist. Mitten im Wald, der sich allmählich von seiner allerschönsten Seite zeigt. Um dies zu zeigen, muss man nur den benachbarten Schwarzenbergturm besteigen. Auf dem unteren Bild kann man meinen Weg […]

Amazonen auf der Bergehalde Lydia

Amazonen auf der Bergehalde Lydia

Amazonen auf der Bergehalde Lydia Ein Youtube-Video von den Amazonen auf der Bergehalde Lydia. Wie man sieht, hatten die Mädels eine Menge Spaß. Und wie man sieht, ist die Halde Lydia ein ideales Gelände für Pferde und Reiter.   Hier gibt es noch mehr → Bergehalde Lydia → Bergehalde Lydia auf Facebook → Bergehalde Lydia […]

Advertisements